Der perfekte Fahrradweg

In der Stadt werden wir perfekte Fahrradwege selten realisieren können. Es ist aber gut, sich das Ideal vor Augen zu halten, um das Mögliche zu erreichen.

Die von mir gewünschten Fahrradwege gibt es vielerorts, aber leider viel zu wenige und ganz selten in Berlin!

Radweg in Potsdam / Nähe Hauptbahnhof
Potsdam / Nähe Hauptbahnhof

Was brauchen wir?

  1. Gute Sichtbarkeit aller anderen Verkehrsteilnehmer, d.h. ...
    • Nach Möglichkeit keine Barrieren links und rechts vom Weg wie z.B. Autos, Hecken, Büsche, Bäume und Telefonkästen.
    • Für den Fall, dass man mal vom Weg abkommt oder einfach mal eine Pause benötigt, gibt es neben dem Weg keine Hindernisse an denen man sich verletzen könnte - auch keine abgestellten Roller, Motorräder usw.
  2. Gepflegter Weg
    • Die Fahrbahn ist eben und sauber.
    • Es liegt kein Dreck auf dem Weg (Glasscherben, Müll, Zweige, Blätterreste usw.).
  3. Anschluß an andere Fahrradwege, d.h. ...
    • Gute Verbindungen, z.B.  zwischen den Stadtteilen.
    • Lange Strecken sind problemlos mit dem Fahrrad zu bewältigen.
  4. Keine bzw. wenige Ampeln
    • Ein Fahrrad hat kein Gaspedal. Fahrradfahrer sind interessiert an einer gleichmässigen Geschwindigkeit. Fahrradfahrer investieren Ihre eigene Kraft und möchten nicht ständig abgebremst werden, um dann wieder beschleunigen zu müssen.
  5. Ein guter Fahrradweg verläuft möglichst separat von Straßen, auf denen viele Autos fahren, d.h. ...
    • Die Luft sollte stets von bester Qualität sein, denn Fahrradfahren ist eine sportliche Aktivität (ansonsten werden Fahrradfahrer zu rollenden Feinstaubfiltern).
    • Es ist ruhig. Man kann sich unterhalten, ohne sich anbrüllen zu müssen.
    • Kleine Kinder, alte Menschen, alle sollen sich hier wohl fühlen.
    • Wenn es doch Autos auf der Fahrbahn gibt, dann sollte es dort zumindest keine haltenden und parkenden Fahrzeuge auf dem Fahrradweg geben.
  6. Ein sicheres Miteinander von Fußgängern, Skatern, Radfahrern wird möglich ab 4m Breite
    • Die Fahrbahn ist so breit, dass man nebeneinander fahren kann. Autos haben einen Beifahrersitz, aber Fahrradfahrer fahren auch gerne nebeneinander und das natürlich ebenfalls auch gerne in beide Richtungen.
    • Schnelle Radfahrer fahren gerne auch mal 30km/h und möchten überholen.
  7. Stellplätze/Fahrradbügel  nach Bedarf

Weitere Beispiele

Strecke Rathenow/Nauen. Klicken Sie auf das Foto, wenn Sie mehr über diesen Weg erfahren möchten!
Strecke Rathenow/Nauen. Klicken Sie auf das Foto, wenn Sie mehr über diesen Weg erfahren möchten!
Teilstücke des Havelland-Radwegs sind auch ohne Asphaltierung immer noch gut befahrbar.
Teilstücke des Havelland-Radwegs sind auch ohne Asphaltierung immer noch gut befahrbar.
Ladezonen / Haltebuchten zum Ein- und Ausladen / Potsdam
Ladezonen / Haltebuchten zum Ein- und Ausladen / Potsdam
Insel Werder
Insel Werder
Fahrradweg Golm / Potsdam
Fahrradweg Golm / Potsdam

Fazit

An SICHEREN Fahrradwegen gibt es KEINE parkenden Fahrzeuge, denn diese verursachen immer und überall unbeabsichtigt und auch beabsichtigt Probleme - z.B. beim Halten, Ein- und Ausparken. Alle Sichthindernisse und sonstigen Fallen existieren nicht an guten Fahrradwegen (Telefonkästen, Laternenmasten, Ampeln und anderes Gerümpel) . Im Idealfall gibt es für die Verkehrsteilnehmer dann auch keine bösen Überraschungen mehr - wie z.B. plötzlich auf dem Weg auftauchende Fußgänger.

Die wenigsten Fahrradwege verdienen in Berlin die Bezeichnung Fahrradweg und befinden sich leider in einem äußerst beklagenswerten Zustand

Als Fahrradfahrer erleben Sie tagtäglich, wie Sie in einer lauten, stinkenden Umgebung auf schmale, unübersichtliche und schlechte, ungepflegte Wege verdrängt werden, welche mit Falschparkern und Mülltonnen vollgestellt sind. Es scheint nach wie vor einfach unerwünscht zu sein, dass Sie sich nachhaltig und umweltschonend durch die Stadt bewegen. Welche Eltern lassen ihre Kinder auf solchen Wegen unbeaufsichtigt fahren? Berlin ist noch lange keine Fahrradstadt!

Es gibt vereinzelt ein paar gute Fahrradwege und Fahrradstraßen abseits der stinkenden, gefährlichen Autostraßen. Mehr davon bitte und schnell! Parteien, die was anderes wollen, werden von mir nicht gewählt!

Beispiele für gute Wege:

1. Vor dem Stadtbad Tiergarten verläuft ein guter Weg, welcher gerne noch einen Meter breiter sein dürfte für stressfreie Begegnungen von Fußgängern und Radfahrern. Meine Note: 1-

2. Der Mauerradweg am Teltowkanal zwischen Späthstraße und Adlershof ist wunderbar und kann sogar von Skatern genutzt werden. Meine Note: 1

3. Fahrradstraßen wie z.B. die Teufelsseechaussee sind auch ganz hübsch und zweckmäßig, aber leider fahren dort immer noch Autos! Fahrräder dürfen dort zwar nebeneinander fahren, aber man traut sich ja meistens dann doch nicht. :-(   Meine Note: 2

4. Wege für Fußgänger und Radfahrer müssen nicht unbedingt asphaltiert werden - es braucht einfach nur Platz und eine gute Pflege. Am Tiergartenufer ist so ein stressfreies Miteinander problemlos möglich - keine weiteren Wünsche. Sogar die Mutti mit Kind fühlt sich hier wohl, da z.B. keine Kampfradler auf Rennrädern befürchtet werden müssen. Für die Staubentwicklung im Sommer streiche ich das Plus, d.h. meine Note: 1

5. Die Linienstrasse in Mitte ist eine Fahrradstraße und wird entsprechend viel genutzt. Der Platz ist begrenzt, da zwei Spuren nach wie vor von parkenden Autos genutzt werden. Daher gibt es auf der relativ schmalen Fahrbahn täglich Stress - insbesondere mit größeren Fahrzeugen. Diesen Stress könnte man deutlich mindern, indem man den Durchgangsverkehr geeignet aussperrt, d.h. nur die einseitige Einfahrt von Anliegern ermöglicht. Auch die Entfernung einer Parkspur wäre sinnvoll. Sehr schön sind hier die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, welche nicht unnötig den Gehweg versperren. Mehr Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt sind hier auf jeden Fall angesagt!

Meine Note: 3

6. An der A100 zwischen Seestraße und Jakob-Kaiser-Platz gibt es einen Weg, dessen Qualität darin besteht, dass er sehr direkt und schnell Wedding mit Charlottenburg verbindet - ohne Unterbrechungen durch Ampeln. Leider ist es dort laut und die Luft ist schlecht. Der Weg ist auch nicht breit genug. Wenn sich zwei Fahrradfahrer entgegenkommen oder ein Fußgänger dort mit seinen Hund Gassi geht, dann wird es gefährlich. Der Weg wird leider auch so gut wie nie gepflegt. Mit dem Zaun und all dem Müll drum herum ist der Weg optisch eine Katastrophe. Meine Note: 4

7. Seit 1974 ermöglichst am Ende der Lise-Meitner-Straße die sogenannte Schneckenbrücke Fußgängern und Fahrradfahrern fern ab der Hauptverkehrsstraßen den Westhafenkanal und die A100 zu überbrücken. Der Steg verbindet so die Mierrendorffinsel mit Charlottenburg-Nord. Für den gesparten Weg, den gesparten Krach und die gesparte schlechte Luft gibt es dafür von mir die Note: 1+.