Die zugeparkte Stadt

Der seit mehr als 200 Jahren unsere Gesellschaft prägende politische Grundsatz, dass die Freiheit des Einen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt, scheint bestenfalls noch innerhalb der Bevölkerungsgruppe der Fahrzeugbesitzer seine Gültigkeit zu besitzen. Immer mehr Menschen wohnen auf immer kleinerer Fläche zusammen. Einige kaufen sich die größten Autos, die sie sich leisten können. Darüberhinaus werden mehr und mehr Lieferdienste beauftragt, um alles mögliche von der Pizza, über Arzneien bis zum Sofa nach Hause bringen zu lassen. Ansonsten müsste man ja vielleicht den hart erkämpften Parkplatz aufgeben?! Es sind bereits komplette Gehwege verschwunden (z.B. Stallstraße/Charlottenburg).

Stallstraße (Berlin-Charlottenburg); der ehemals großzügig angelegte Gehweg ist jetzt nur noch ein hässlicher Blechhaufen.
Stallstraße (Berlin-Charlottenburg); der ehemals großzügig angelegte Gehweg ist jetzt nur noch ein hässlicher Blechhaufen.

Hier haben früher z.B. Kinder gespielt oder die Eltern sind täglich eine Runde um den Block spaziert.

Besitz verpflichtet,  so sagt man. Wie wäre es, wenn sich die Autobesitzer endlich verpflichten würden, mindestens ihren unbewegt herumstehenden Besitz aus dem öffentlichen Raum zu entfernen? Unbewegte Fahrzeuge und sonstige Wegeblockaden sind für uns alle leicht zu erkennen - und sollten so schnell wie möglich entfernt werden - um Mobilität für uns alle zu ermöglichen!

Parkplätze statt Fahrspuren, Fahrradwege und Gehwege? Wer will denn das? Wir wollen uns bewegen in unserer Umgebung!

Autofahrer genießen in Berlin-Charlottenburg überwiegend kostenlose Parkplätze. Dieses ist dummerweise die Folge eines Bürgerentscheids vom 23.9.2007. Die Wähler vergaßen damals, dass kostenlose Parkplätze im öffentlichen Raum in der Mitte einer Stadt jede Menge an Begehrlichkeiten wecken würden, denn in anderen Stadtteilen ist es nicht so einfach, das Auto kostenlos abzustellen. So parken inzwischen jede Menge Fahrzeuge und Anhänger in unserer Stadt, die dort gutes Geld für deren Besitzer sparen - zu Lasten unserer Bewegungsfreiheit!

Gewerblich genutzte Fahrzeuge sollten auf Betriebshöfen geparkt werden und nicht in Charlottenburger Kiezen. Sie sind zu groß und zu schwer. Sie passen oft nicht einmal in vorgesehene Parklücken - und auch nicht in Schrägparkplätze. Solche Fahrzeuge beschädigen unsere Wege. Sie rauben uns die Sicht und die Wegesicherheit. Viel zu große, gewerblich genutzte KFZ stehlen den Anliegern Parkplätze für ihre PKWs vor der Haustür.

Auch Camper parken gerne in unseren Straßen. Dieses sind allerdings selten Berlin-Besucher. Es sind oft Fahrzeuge unserer Nachbarn, welche sich darüber freuen, dass sie ihre Fahrzeuge so günstig abstellen können. In den kommenden Jahren wird die Anzahl dieser Fahrzeuge weiter stark ansteigen. Warum? Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in die Rente und können sich nichts Schöneres wie Ausflüge mit dem eigenen Camper vorstellen. Häufig müssen diese Menschen dann aber doch aufgrund von Zipperlein zu Hause herumsitzen für Arztbesuche u.ä. . Wer sich solch einen Camper leisten kann, der wird doch sicher auch irgendwo - z.B. außerhalb der Ringbahn - einen bezahlbaren Stellplatz finden, oder?

Freie Parkplätze

Es gibt auch freie Parkplätze. Manchmal liegen diese nur 200 Meter weiter um die Ecke. Ist es für Autobesitzer nicht zumutbar mal ein Stückchen zu gehen?

Am Goslarer Ufer in Charlottenburg finden Sie fast immer einen Parkplatz zu jeder Tages- und Nachtzeit!
Am Goslarer Ufer in Charlottenburg finden Sie fast immer einen Parkplatz zu jeder Tages- und Nachtzeit!