Berlin hat den Auto-Blues!

Die Kernaussage in Harald Welzers Buch »Selbst denken« von 2013 lautet frei formuliert: »Wir haben viele Jahrzehnte nachgedacht und wissen eigentlich, was getan werden muss. Wir müssen handeln und das kann bei jedem selbst im Kleinen beginnen!« Ich beginne jetzt also in eigener Sache als  Lobbyist zum Thema »Autos raus« zu arbeiten. Das Berliner Mobilitätsgesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, löst aber leider nicht unsere innerstädtischen Verkehrsprobleme! Warum das so ist? Lesen Sie weiter!

 

Es bewegt sich etwas im Lande und unser Verkehrsminister Herr Scheuer fängt an nachzudenken über Mobilitätsgerechtigkeit für alle Verkehrsteilnehmer. Das ist schon mal deutlich mehr, als wir von seinem Vorgänger Herrn Dobrindt bekommen haben, z.B. ...

Selbstverständlich gehört zu allen schönen Absichtserklärungen auch der Wille, Gesetze anzuwenden und durchzusetzen gegenüber tendenziell bösartigen Verkehrsteilnehmern! Vergessen Sie auf keinen Fall, die aktuelle Petition »Knolle statt Knöllchen! Bußgelder für Falschparker drastisch anheben!« zu unterzeichnen! Verkehrskontrollen müssen die Kosten der Kontrollen decken. Falschparker müssen ihren Führerschein riskieren. Schluß mit den Respektlosigkeiten im Straßenverkehr!

Wie wird Berlin in 30 Jahren aussehen?

Die autogerechte Stadt funktioniert nicht mehr aus vielen Gründen. Die menschengerechte Stadt ist weltweit in der Realisierung. In Berlin ist davon bislang wenig zu sehen. Ganz Deutschland hinkt bei diesem Thema hinterher. Stadtbewohner wissen es seit langem. Die ersten Politiker haben es jetzt auch verstanden. Die BZ setzt das Thema auf die erste Seite und ich persönlich denke, in den nächsten Jahren werden mit dem Thema Mobilitätsgerechtigkeit Wahlen gewonnen! Wann können unsere Kinder endlich wieder alleine gefahrlos zur Schule gehen? Auf den folgenden Seiten finden Sie meine gesammelten Gedanken zum Thema innerstädtische Mobilität. Wir alle tragen gesundheitliche und finanzielle Schäden davon, wenn nicht sofort rigoros und radikal gehandelt wird!

Wenn Sie alte Menschen fragen, was Ihnen am Wichtigsten ist in ihrem Leben, dann rangiert der Wunsch nach Gesundheit und Sicherheit an erster Stelle. Wir alle werden älter. Niemand wünscht sich einen Platz in einem Altersheim an einer vielbefahrenen Straße. Die Luft ist giftig, der Lärm unerträglich und der Autoverkehr unakzeptabel gefährlich. Die vielen Schicksale der Getöteten und Verletzten entnehmen Sie bitte der Tageszeitung. »Jeder Gegen Jeden« titelte vor noch gar nicht langer Zeit die BZ, um die Situation im Berliner Verkehr zu beschreiben. Richtig wäre gewesen »Der Autoverkehr treibt uns in den Wahnsinn!« Der Autoverkehr von heute steht nicht für ein schönes Leben, sondern für den Auto-Blues! Es darf nicht bleiben wie es ist. Wie soll Berlin in 30 Jahren aussehen?

  1. Erstens müssen wir Schlimmeres verhindern und für die Einhaltung von Verkehrsregeln eintreten.
  2. Zweitens müssen wir die Verkehrswende einleiten, damit niemand mehr unter dem inzwischen völlig verrückten, rücksichtslosen Autoverkehr leiden muß.

In unseren Städten stinkt es gewaltig; Messwerte werden an vielen wichtigen Verkehrknotenpunkten gar nicht erst ermittelt. Es ist unangenehm laut, so dass man sich in den Straßen anschreien muss, wenn man sich unterhalten möchte. Es wird in Berlin auf Gehwegen und in zweiter Reihe geparkt wie sonst nirgends. Das städtische Grün wird so wenig gepflegt, dass LKW-Fahrer die Radfahrer auf dem Radweg neben der Straße nicht mehr sehen können. Radwege ohne Nutzungspflicht sind in einem schlimmen Zustand und werden meistens gar nicht mehr gepflegt - die Stadt behauptet einfach, es handele sich nicht um einen Radweg. Viele Autofahrer benehmen sich gegenüber den schwächeren Verkehrsteilnehmern so respektlos und lebensbedrohlich, dass man sofort deren Führerschein einziehen sollte. Warum lassen wir uns so etwas überhaupt noch bieten?

Das Ergebnis des Wandels der kommenden Jahre - völlig unabhängig von der von Ihnen bevorzugten Partei - steht für mich bereits fest. Private Autos wird es in 20 Jahren innerhalb des S-Bahn-Rings in Berlin nicht mehr geben. Dafür werden CDU und AFD genauso sorgen wie die SPD, die Grünen und die Linken. Private Autos werden aus den Städten verschwinden, denn so geht es nicht mehr weiter!

Das interessiert Sie alles nicht? Sie möchten einfach nur einen eigenen Parkplatz vor Ihrer Haustür? Dann lehnen Sie sich jetzt mal besser nicht zurück, denn hunderte von Organisationen mit tausenden von engagierten Mitgliedern arbeiten aus guten Gründen bereits an einer Zukunft ohne privaten innerstädtischen Autoverkehr - siehe https://www.autosraus.de/initiativen/.

Lieber Herr Bürgermeister,


schön, dass Sie meine Seite gefunden haben!

Berlin ist ein Autodrecksloch oder sehen Sie das anders? Touristen fahren auch gerne woanders hin. Sehen Sie sich doch bitte mal mit offenen Augen um. Was sich Autofahrer in dieser Stadt erlauben dürfen, das ist unzumutbar!

 

Ich bin vor mehr als 37 Jahren nach Berlin gezogen, weil man in einer Stadt kein Auto benötigt! Das scheint sich immer noch nicht herum gesprochen zu haben. Dabei ist es in Berlin überhaupt kein Problem, auf ein Auto zu verzichten - in dieser Ansammlung von gut vernetzten Kleinstädten, die Sie Bezirke nennen. Überall gibt es Probleme, die es ohne Autos nicht gäbe. Selbst Einbrüche wären in der Stadt nicht mehr möglich. Autofahrer sind eine Minderheit, aber sie beanspruchen trotzdem den meisten Platz. Überall auf Radwegen und Bürgersteigen stellen sie ungestraft ihren meist unverhältnismäßig großen Blechmüll-Besitz ab. Das ist nicht akzeptabel!


Die Stadt verdichtet sich weiter. Es wohnen immer mehr Menschen auf der selben Fläche. Es ist doch wohl klar, was das für Autos bedeutet?! Das kann hoffentlich jeder Grundschüler berechnen. Heute wird von Unbelehrbaren immer noch nach mehr Parkplätzen geschrien. Wo sollen die entstehen? Gleich an der nächsten Ecke wird bei mir ein neues Haus gebaut - auf einem ehemaligen Parkplatz - und wieder einmal ohne Tiefgarage. Ob die neuen Bewohner gerne Auto fahren? Sorgen sie bitte dafür, dass der private Autoverkehr aus dieser Stadt verschwindet - und zwar bald und komplett!

  • Sorgen Sie für uns Menschen - schaffen Sie Platz!
  • Sorgen Sie dafür, dass wir wieder atmen können!
  • Sorgen Sie dafür, dass wir uns wieder normal unterhalten können!
  • Sorgen Sie dafür, dass keine Menschen mehr genötigt, verletzt und sogar getötet werden!
  • Machen Sie das Thema »Autos raus!« zur Chefsache und sorgen Sie vor allem dafür, dass die Zuständigkeiten so geregelt werden, dass sich überhaupt etwas bewegt in dieser Stadt!

Die Dinge zum Positiven zu ändern, dafür wurden sie gewählt! Sie haben die Möglichkeit, Fahrverbote zu verhängen. Kontrollieren Sie die Belastung unserer Atemwege an Orten, an denen die Bürger es sich wünschen und nicht im Grunewald! Wir werden wieder bessere Luft haben. Es wird ein paar Staus weniger geben. Ich werde vielleicht wieder Fahrrad fahren können, ohne Abgase inhalieren zu müssen. Alte Menschen werden wieder alleine gefahrlos die Straße überqueren und Schulkinder werden den Schulweg wieder alleine meistern. Ich freue mich schon darauf. Sorgen Sie dafür, dass Berlin die schönste Stadt der Welt wird!

R. Borrmann                                                                                                                            13.6.2019

Mein persönliches Fazit: Berlin wird die schönste Stadt der Welt. :-)